Eine Reise durch die Geschichte der Sprendlinger Fastnacht

Favicon„Ich bin gewillt, stets dazusein,
wanns gilt un wann die Alt auch schillt,
werds Portmonai gefüllt,

un wann se dann vor Roochus flennt,
wern alle Orden umgehängt
un ins Vereinshaus naus gerennt.“

So lautete Mitte des letzten Jahrhunderts der närrische Fahneneid der Komiteeter der Schwarzen Doppelelf. Der Spruch ist nicht mehr gebräuchlich, doch die enge Verbundenheit mit der traditionellen Sprendlinger Fastnacht spürt man auch heute noch.

8 x 11 Jahre Schwarze Doppelelf

Fastnacht ist eine Herzensangelegenheit und die kommende Kampagne für die Schwarze Doppelelf Sprendlingen erst recht, feiert sie 2017 doch ihr 88. närrisches Jubiläum.

1929 hatten sieben Herren der katholischen Jugend eine Idee: Sie wollten die Mainzer Fastnacht ins Herz Rheinhessens, ins beschauliche Sprendlingen, holen. Die kleine Gruppe rund um Anton „Flappes“ Baumgärtner gründete die Schwarze Elf. Nach „meenzerisch-rhoihessischer“ Art wurde fortan die traditionelle Fastnacht gefeiert, in den ersten Jahren stets unter der Aufsicht von Seppel Glückert, dem damaligen Vorsitzenden des Mainzer Carneval-Vereins.

Elferrat 1950

Elferrat der Schwarzen Elf

Die Gruppierung wurde beliebter und wuchs, sie löste sich finanziell von der katholischen Kirche. Dann kam der Krieg. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten geriet die Fastnacht unter strenge Beobachtung und Kontrolle. Politische Kritik, das Kernstück der Mainzer Fastnacht, wurde gefährlich. Bei einer Hausdurchsuchung wurden die Bücher der Schwarzen Elf beschlagnahmt, die Gruppierung zwangsaufgelöst.

Von der Schwarzen Elf zur Schwarzen Doppelelf

Nach Ende des Krieges war der Weg frei für einen Neubeginn. 1947 kam es nicht nur zur Neuformierung, sondern auch zu einer kleinen Revolution der Sprendlinger Fastnacht. Die Damen der katholischen Jugend kämpften für ihre Gleichberechtigung und mit der Männervorherrschaft war es ab sofort vorbei. Zu den elf männlichen Komiteetern kamen elf Damen, aus der Schwarzen Elf wurde die Schwarze Doppelelf. Die Emanzipierung bleibt eine Besonderheit bis heute, die so in keinem anderen Fastnachtsverein zu finden ist.

Elferrat und Gardeballett

Elferrat und Gardeballett

Nur ein Jahr später wurde Hildegard Schuhmacher zur ersten Prinzessin ernannt und führte von nun an gemeinsam mit dem Präsidenten durch die Sitzungen. Mit der Gründung des Gardeballetts kurze Zeit später war die heutige Schwarze Doppelelf endgültig geboren.

Es waren arme Zeiten, doch die Doppelelfer ließen sich die Freude am Feiern nicht nehmen. Mit einfachsten Mitteln stellten sie ihre Fastnacht auf die Beine. Wenn der Strom einmal wieder mitten in der Sitzung versiegte, hielt Flappes Baumgärtner sein Publikum gekonnt bei Laune: „Und weiter geht’s mit großem Schwung, mer brauche koo Verdunkelung.“

Im Wandel der Zeit

Im Laufe der Jahre wurde die ehemals sehr katholische Gruppierung liberaler und lockerte die enge Bindung an die Kirche. Spätestens mit Krönung der ersten evangelischen Prinzessin 1986 öffnete sich die Schwarze Doppelelf für jeden, der sich mit Sprendlingen verbunden fühlt. Bis heute ist sie kein eingetragener Verein, Mitglied ist jeder, der sich engagiert. Gegenwärtig stehen rund 80 Aktive auf und hinter der Bühne.

Umzug 1955

Umzug 1955

In den Sechzigern wurde das Bernhardusheim in der Schulstraße zur neuen Narrhalla und ist es noch immer. Neben den drei traditionellen Sitzungen finden dort eine Senioren- wie auch eine Kindersitzung statt. Die Förderung des Nachwuchses wird bei der Schwarzen Doppelelf besonders großgeschrieben. Bei ihrer selbstgestalteten Sitzung stehen die Jüngsten auf der Bühne und üben sich in Büttenreden, Tanz und Gesang.

Umzug 1979

Umzug 1979

Doch auch in der Straßenfastnacht ist die Schwarze Doppelelf nicht mehr wegzudenken. Seit 1950 richtet sie am Fastnachtsdienstag den größten Fastnachtsumzug der Verbandsgemeinde aus. Mit unzähligen Motivwagen und Fußgruppen zieht der närrische Lindwurm durch die Straßen.

„Wir sind stolz darauf, auf eine so lange Tradition zurückblicken zu können. Es gab viele Hochs und Tiefs in der Geschichte der Schwarzen Doppelelf, doch trotz aller Widrigkeiten haben wir immer ‚klore‘ Fastnacht für die Menschen in Rheinhessen gemacht“, sagt Erwin Charwat, erster Vorsitzender. „Ganz im Sinne der Gründungsmitglieder von 1929 getreu dem Mainzer Motto: ‚Allen wohl und niemand weh.‘“

Die Jubiläumskampagne 2017

66-jähriges Jubiläum

66-jähriges Jubiläum

Die Vorbereitungen für das Jubiläum sind in vollem Gange. Der langjährige Sitzungspräsident Heiko Wagner und Prinzessin Anna I. werden zum zweiten Mal gemeinsam durch die tollen Tage führen und das besondere Jahr begleiten. Besonders auch deshalb, weil es mit dem Jubiläum Sprendlingens zusammenfällt. „1250 Jahre Sprendlingen, davon hat die Doppelelf immerhin 88 Jahre begleitet und das Gemeindeleben bereichert“, lacht Erwin Charwat.

Komitee 2016

Komitee 2016

Die bevorstehende Kampagne wird mit einem Jubiläums-Gottesdienst eingeleitet. Im Anschluss daran ist ein großer Jubiläumsempfang im Bernhardusheim anlässlich des 88. Gründungsjahres geplant. Mit dabei sind Menschen und Vereine, die die Doppelelf unterstützt und begleitet haben. Fotos und Orden erzählen den Weg der Gruppierung von den zwanziger Jahren bis heute. Am Fastnachtssamstag laden die Narren zum Maskenball ein. Die Urgesteine „Moodies and Friends“ und ein DJ werden für die musikalische Unterhaltung sorgen – alles unter dem Motto „Wir sind Doppelelf“. „Dies wird ein Schlagwort und auch eine Richtlinie für uns sein, um den Besuchern und auch uns ganz viel Spaß und Unterhaltung in der Kampagne zu bescheren“, so Erwin Charwat.

Puzzleorden_kl

Puzzleorden 2011 bis 2016

Die aktiven Mitglieder können sich auf eine besondere Belohnung für ihre langjährige Mühe freuen: 2017 fügt sich das Puzzle aus den Orden der letzten sieben Jahre endlich zu einem großen Ganzen zusammen.
So wie auch die Doppelelfer selbst noch enger zusammenwachsen werden angesichts der beachtlichen Geschichte ihrer Gruppierung. Sie sind gespannt, was die kommenden närrischen Jahre bringen werden. Doch erst einmal heißt es wie jedes Jahr auch 2017 wieder: „Wolle mer’n eroi losse? – Eroi mit’em!“

 

Danke an Norbert Graffy für die Bereitstellung seiner Chronik „Historie und Ideale der Schwarzen Doppelelf“ aus dem Jahr 1999.